Festpreis mit Phase-1-Notausgang
Pricing-Pattern für Mittelstand-Kunden die Signal senden „Geld ist nicht das Thema, aber es muss funktionieren”. Stand 2026-05.
Wann anwenden
Signale beim Kunden:
- „Geld ist locker” oder „Was kostet das?” früh im Gespräch
- 100-Jahre-Familienbetrieb oder etablierter Mittelstand (Bilanzsumme >500k, MA >15)
- Vorgeschichte mit IT-Projekten die nicht liefen (IT-Trauma)
- GF ist auch operativ tätig, nicht reiner Strategen-Typ
Signale die das Pattern blockieren:
- Stundenkontingent-Wunsch („wie viele Tage berechnest du?“)
- Mehrere Entscheider/Buying-Committee
- öffentlicher AG mit Vergabeordnung
- Frühphasiger Startup ohne stabilen Cashflow
Die Struktur
Vollausbau-Festpreis + monatlich laufend + Phase-1-Notausgang + 6-Monate-Garantie.
Komponenten
| Komponente | Was | Warum |
|---|---|---|
| Setup-Festpreis | einmalig, gedeckelt | Kunde will nicht Stunden zählen |
| Lieferzeit | 12 Wochen, 4 Phasen mit Abnahme | greifbar, nicht „so um die x Monate” |
| Phase-1-Notausgang | Nach 4 Wochen / sichtbarer erster Funktion: Kunde kann beenden, zahlt Phase-1-Pauschal (~15-20% Setup) | adressiert „muss funktionieren” ohne dass wir an unserer Lieferung zweifeln wirken |
| 6-Monate-Garantie | Wenn zugesicherte Funktion nicht stabil läuft, fixen wir ohne Mehrkosten | Risiko-Verlagerung zum Anbieter, Vertrauen |
| Recurring monatlich | Hosting + Wartung + Anpassungen + SLA | wiederkehrender Cashflow, Beziehungs-Anker |
| Variable Kosten transparent durchgereicht | z.B. Voicebot-Minuten, AWS-Hosting | keine versteckten Margen |
Beispiel Beer (Referenz)
- 45.000 EUR Setup + 1.800 EUR/Monat
- 12 Wochen, 4 Phasen
- Notausgang nach 4 Wochen → 8.000 EUR Pauschal
- 6 Monate Garantie
- SLA 4h Geschäftszeit / 24h ausserhalb
- 8h/Monat Anpassungen inklusive
Die Antwort auf „was kostet das”
Wenn die Frage kommt, nie ausweichen. Template:
„Für das was wir gerade besprochen haben — [konkrete Inhalts-Liste] — sind wir bei [Setup-Festpreis] einmalig für [X] Wochen Bau plus [Monatlich] für Betrieb und Wartung. Damit du keine Katze im Sack kaufst: nach 4 Wochen siehst du [konkrete Phase-1-Funktion] live laufen. Wenn dich das nicht überzeugt, beenden wir, du zahlst [Phase-1-Pauschal] und gut. Wenn es läuft, machen wir die nächsten Phasen — Hauptstück ist [der Umsatz-Hebel].”
Drei Effekte:
- Konkrete Zahl statt Ausweichen.
- Zeitachse greifbar (Wochen, nicht Monate).
- Notausgang adressiert „muss funktionieren” ohne Selbstzweifel-Signal.
Acceptance-Kriterien (gehört in den Vertrag)
Pro Phase definiert, messbar. Beispiel Phase 1 (Voicebot):
„Voicebot nimmt 95% der Anrufe ausserhalb Geschäftszeit an, sortiert mindestens 4 Anliegen-Typen, schlägt 3 Termine aus echtem Kalender vor, sendet SMS-Bestätigung.”
Wenn nach 4 Wochen erfüllt: Phase 1 abgenommen, Phase 2 startet automatisch. Wenn nicht erfüllt: Kunde kann Notausgang ziehen, zahlt Phase-1-Pauschal.
Champion-Onboarding (gehört in den Vertrag)
Eine Person beim Kunden bekommt:
- 2 Tage Schulung beim Phase-1-Start
- Monatliches 30-Min-Review
Ohne Champion stirbt jede Automatisierung. Das vorab sagen, nicht erst nach Vertragsabschluss. Wenn Kunde keinen Champion bereitstellen will: Warnung, nicht abschliessen oder nur Variante B (kleinere Stufen).
Exit-Klausel (gehört in den Vertrag)
- Bei Vertragsende: alle Konfiguration + Doku an Kunden
- Alle Services laufen unter Kunden-Accounts (Email, AWS, ERP) — kein Vendor-Lock-In
- Was Kunde weiterbetreiben will, kann er mit anderem Anbieter oder selbst hosten
Das senkt psychische Eintrittsbarriere massiv — „du bist nicht eingesperrt”.
Warum das Pattern funktioniert
Mittelstand-Kunde mit „muss funktionieren”:
- Hat schon mal Software-Projekt erlebt das nicht lief
- Misstrauen gegen IT-Anbieter ist die Default-Haltung
- „Stundenkontingent” riecht nach offenem Geldhahn ohne Garantie
- Festpreis + Notausgang + Garantie kehrt das Risiko um — wir tragen es
Das ist gleichzeitig Anti-Verkaufsdruck (wir wirken selbstsicher) und Risiko-Vorsorge für den Kunden (er kommt billig raus wenn’s nicht funktioniert).
Wann NICHT verwenden
- Wenn wir die Lieferung nicht zu 80% sicher in der Zeitachse hinkriegen — der Notausgang darf nicht gezogen werden müssen weil wir nicht liefern können.
- Wenn ein Modul technisch noch ungeprüft ist — dann nur in optionale Erweiterung (Variante C bei Beer) packen, nicht ins Festpreis-Hauptpaket.
- Bei Kunden die kein Vertrauen haben — der schluckt das Pattern nicht, will Stunden-Basis.
Bauchgefühl-Faustregeln
- Setup-Festpreis = 8-15x Monatspreis
- Phase-1-Pauschal = 15-20% Setup
- Recurring = 3-5% Setup pro Monat
- Garantie = 6 Monate ab Phase-Abnahme
- Lieferzeit Vollausbau = 10-16 Wochen
Cases die dieses Pattern nutzen
- ”beer” — Beer Bedachung (2026-06, Pre-Sales)
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