Wie KI-Agenten Unternehmen finden, und die Rolle von MCPs

TL;DR

Wenn die nächste Generation deiner Kunden bei Claude oder ChatGPT fragt „wer in NRW baut KI-Agenten für KMU”, entscheidet sich die Antwort an einer Stelle die in deinem Marketing-Plan noch nicht vorkommt. Es geht nicht mehr darum, in der Google-Suchergebnisliste weit oben zu stehen, sondern in der einen Antwort die das Sprachmodell ausgibt. MCPs spielen darin eine Rolle, aber nicht die die im Hype steht. Sie sind kein Discovery-Kanal, sondern das was passiert, nachdem der Agent dich gefunden hat.

Discovery verschiebt sich

Ich beobachte das gerade bei mir selbst: ich google immer seltener. Wenn ich etwas wissen will, frage ich Claude. Wenn ich etwas einkaufen will, lasse ich es vergleichen. Bei Bekannten ist es das gleiche. Ein Jahr Verzögerung, vielleicht zwei, dann ist das im Mittelstand angekommen.

Was heißt das für ein Unternehmen, das von Anfragen lebt? Die Suchmaschine als Türsteher fällt weg. Stattdessen entscheidet ein Sprachmodell darüber, ob du in der Antwort vorkommst, in welchem Kontext und mit welcher Empfehlung.

Wie Sprachmodelle heute Unternehmen finden

Sprachmodelle ziehen ihre Antworten aus zwei Quellen: dem Trainingsdatenstand und dem Live-Web. Beides funktioniert anders als Google.

Das Trainingsmaterial enthält dich, wenn du an genug Stellen zitiert wirst. Pressetexte, Verzeichnisse, GitHub-Profile, Konferenz-Sprecherlisten, Wikipedia. Eine reine Website ohne Außenbezug landet selten im Modell.

Live-Suche ist die zweite Schicht. ChatGPT Search, Claude Web Search, Perplexity. Hier zählt was anderes: strukturierte Daten, klare H2-Antworten auf konkrete Fragen, Schema.org-Markup, eine llms.txt die das Modell wie eine Speisekarte lesen kann. Wer seine Website wie ein Werbeplakat baut, ist hier unsichtbar. Wer sie wie ein gut sortiertes Datenblatt baut, wird zitiert.

Vom Lesen zum Handeln

Bis hier ist alles AI-SEO. Was als Nächstes kommt ist der eigentlich interessante Teil.

Sprachmodelle waren bisher Leser. Sie können einen Text aufnehmen und eine Antwort produzieren. Agents sind die nächste Stufe, sie handeln. Sie können einen Termin buchen, eine Rechnung erstellen, eine Anfrage stellen. Nicht weil sie halluzinieren, sondern weil sie über Tools mit der echten Welt verbunden sind.

Diese Tools sind in den meisten Fällen MCPs. Model Context Protocol, ein Standard den Anthropic Ende 2024 veröffentlicht hat und der sich gerade als Industrie-Default etabliert. Ein MCP ist im Kern eine Brücke zwischen einem Sprachmodell und einer konkreten Software. Wenn dein Kunde Claude sagt „buch mir einen Termin bei Marvin Kühlmann nächste Woche Mittwoch”, dann hängt es davon ab ob es einen MCP gibt, der Claude erlaubt das tatsächlich zu tun.

Wo MCPs nicht helfen

An dieser Stelle muss ich gegen den Hype anschreiben. Im letzten halben Jahr habe ich oft gehört „wir bauen einen MCP, dann finden uns die Agents.” Das funktioniert so nicht.

Niemand installiert einen MCP für eine Firma die er noch nicht kennt. MCPs sind Werkzeuge, keine Werbung. Wenn ein Kunde von dir noch nie gehört hat, wird er weder deine Webseite besuchen noch deinen MCP einbinden. Der MCP wird erst relevant nachdem der Agent dich kennt.

Konkret: der Discovery-Schritt passiert weiterhin über Inhalte. Schema.org, llms.txt, Reviews, Verzeichniseinträge, Zitate in größeren Texten. Wenn das Sprachmodell auf deine Webseite verweist und dort sieht „dieser Anbieter hat einen offiziellen Booking-MCP”, dann kann es im selben Atemzug einen Termin buchen. Aber die Reihenfolge ist: finden, zitieren, handeln. Nicht umgekehrt.

Was Du als Mittelstand jetzt tun solltest

Drei Schritte, in dieser Reihenfolge.

Erstens, zitierfähig werden. Schema.org-Markup einbauen, eine llms.txt und llms-full.txt veröffentlichen, klare H2-Antworten auf typische Fragen formulieren, sichtbare Cases mit konkreten Zahlen. Das ist die Basis. Ohne das kommst du in keiner LLM-Antwort vor.

Zweitens, Aktions-Endpunkte sauber machen. Wenn ein Agent dich findet, muss er auch handeln können. Ein Booking-Link der nur ein iframe ist, hilft nicht. Ein ReserveAction-Schema mit klarer Buchungs-URL und maschinenlesbarem Formular schon. Ein Kontaktformular mit ContactPoint-Markup wird zur API.

Drittens, MCP-Adapter überlegen. Wenn deine Kunden dich oft in Workflows einbinden, sich also Agents bauen die mit deinem Service interagieren, dann ist ein hosted MCP irgendwann sinnvoll. Vorher nicht. Erst die Distribution, dann das Tool.

Wie wir das bei Agentic Ventures machen

Wir bauen genau diese Schicht für KMU. Erst Zitierfähigkeit, dann Aktions-Endpunkte, dann optional eigene MCPs für Unternehmen deren Workflows das hergeben. Wer wissen will wie weit seine eigene Webseite ist: das klären wir in einem Kennenlerngespräch.

Der wichtigere Punkt ist aber: fang früh an. Wer 2027 anfängt sich um AI-SEO und Agent-Readiness zu kümmern, hat die zwei Jahre Vorsprung schon abgeschrieben.


Autor: Marvin Kühlmann, Gründer Agentic Ventures Veröffentlicht: (noch nicht)